Nationaltrainer: Otto Nerz war der Jüngste – DFB – Deutscher Fußball

Julian Nagelsmann bricht alle Rekorde - Hoffenheims Coach debütierte mit 28 Jahren in der Bundesliga (und spricht darüber im Interview auf DFB.de). Im deutschen Spitzenfußball ist das beispiellos, auch wenn aktuell gleich sechs weitere Bundesligatrainer aus dem Junioren- oder Amateurbereich direkt zu den Profis durchstarteten und der FSV Frankfurt 1994/1995 in bereits aussichtsloser Lage dem 27 Jahre alten Jörg Hambückers eine Bewährungschance in der 2. Bundesliga gab. Er gewann immerhin zwei von elf Spielen, der Abstieg stand frühzeitig fest.

Eine weit wichtigere Mission erhielt dagegen ein gewisser Jose Juan Tramutola bei der ersten WM 1930. Mit 27 coachte er das Team von Argentinien sogar bis ins Finale gegen Gastgeber Uruguay (2:4). Was zu der Frage führt, wie jung eigentlich die Bundestrainer bei ihrem Amstantritt waren. Die Antwort überrascht: Der Erste war auch der Jüngste. DFB.de hat in den Chroniken geblättert und das Ranking der Nationaltrainer nach ihrem Antrittsalter erstellt.

Teamchef Beckenbauer: Weltmeister ohne Lizenz

Platz eins: Reichstrainer Otto Nerz. Im Jahr 1908 bestritt die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes Länderspiel, doch es dauerte fast zwei Jahrzehnte, ehe an ihrer Spitze erstmals ein hauptverantwortlicher Trainer stand: Otto Nerz, ein studierter Pädagoge und Doktor der Medizin, saß am 31. Oktober 1926 ganze neun Tage nach seinem 34. Geburtstag erstmals bei einem Länderspiel auf der Bank. Zum Einstand gab es in Amsterdam ein 3:2 gegen die Niederlande. Kapitän Tull Harder war nur einen Monat jünger als der Reichstrainer. In 58 Länderspielen davor hatte es keinen Chefcoach gegeben, um die Aufstellung kümmerte sich der Spielausschuss. Dessen Einfluss war auch nach Nerz' Installation stark, nicht selten wurde er überstimmt. Was weniger mit seinem Alter zu tun hatte als mehr mit den damaligen Gepflogenheiten, als Trainer in erster Linie Übungsleiter waren. Otto Nerz blieb zehn Jahre im Amt, und erreichte bei der ersten WM mit deutscher Beteiligung 1934 in Italien Platz drei. Dann wurde ihm die Enttäuschung bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin zum Verhängnis.

Auf Platz zwei: der Kaiser. Franz Beckenbauer übernahm die Nationalmannschaft nach der EM 1984 im Alter von erst 38 Jahren und ohne jede Trainererfahrung, geschweige denn Trainerlizenz. Sein Debüt gegen Argentinien, ein 1:3, gab der Kaiser zwei Tage nach seinem 39. Geburtstag. Es war kein schlechtes Omen, 1986 und 1990 führte er Deutschland ins WM-Finale - wieder jeweils gegen Argentinien. Und als er am Tag von Rom im Triumph ging, avancierte er mit 44 zum jüngsten der vier deutschen Weltmeistertrainer.

Auf Platz drei folgt Jürgen Klinsmann. Er löste nach der EM 2004 Rudi Völler ab, seinen einstigen Sturmpartner in vielen Länderspielen. Bei Amtsantritt am 29. Juli 2004 war Klinsmann noch 39, einen Tag später 40. Exakt 40 Jahre und 19 Tage war er bei seiner Premiere am 18. August in Wien gegen Österreich, die 3:1 gewonnen wurde. Sein Programm wirkte nach der EM-Enttäuschung etwas übermütig, aber er hielt daran fest: "Die Fans haben die Hoffnung, dass wir bei der WM im eigenen Land Weltmeister werden." Er hatte sie auch, nach der Halbfinalniederlage gegen Italien schied er enttäuscht aus. Sein Vertrag lief nur bis zum Ende der WM. Somit ist Klinsmann zumindest der jüngste Bundestrainer, der sein Amt niederlegte - mit noch 41 Jahren.

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Völler mit 42 im WM-Finale - nur der Kaiser war jünger

Viertjüngster Bundestrainer war Rudi Völler. Nach dem EM-Aus 2000 trat Erich Ribbeck zurück, der designierte Nachfolger Christoph Daum war noch nicht einsatzbereit. Völler war bei der entscheidenden Sitzung eigentlich nur als Beobachter zugegen, bis er von allen Seiten bedrängt wurde. Eigentlich hatte er einen Job als Sportmanager in Leverkusen. Völler war im Juli 2000 seit drei Monaten 40 Jahre alt. Auch er gewann zum Einstand - in Hannover wurde Spanien am 16. August 2000 mit 4:1 geschlagen. Die Zuschauer riefen bei der Mannschaftsaufstellung hinter jedem Namen "Völler". Der Hoffnungsträger führte Deutschland 2002 ins WM-Finale gegen Brasilien, das trotz guter Leistung 0:2 verloren ging. Mit 42. Nur Beckenbauer war in einem WM-Finale jünger.

Fünfter in dieser Liste ist Sepp Herberger, Jahrgang 1897. Er löste Nerz am 13. September 1936 ab, im Alter von 43 Jahren. Zum Einstand in Warschau gab es ein 1:1 gegen Polen. Keiner blieb länger als Herberger, bei seinem Abschied 1963 war er schon im Rentenalter (66) - und Weltmeister.

Nummer sechs ist Berti Vogts, der nach dem WM-Triumph von 1990 vom Assistenten zum Chef aufrückte. Bei seinem Debüt am 29. August in Lissabon, einem 1:1 gegen Portugal, war er zwei Monate älter als Herberger, nämlich 43 Jahre und acht Monate. Mit 49 wurde Vogts jüngster deutscher Europameister-Trainer. Seinen Hut nahm er im September 1998, mit 51.

Löw hat den besten Punkteschnitt

Nummer sieben: Joachim Löw. Er folgte 2006 auf Jürgen Klinsmann. Zuvor war er sein Assistent gewesen, es war quasi eine logische Beförderung. Löw war 46, als er am 16. August 2006 in Gelsenkirchen zum Tanz mit den Schweden bat - es gab einen 3:0-Heimsieg. Löw ist immer noch im Amt, seit 2014 Weltmeister und der Bundestrainer mit dem besten Punkteschnitt.

Nummer acht ist "der Mann mit der Mütze". Kein Assistent musste länger auf seine Beförderung warten als Helmut Schön, der mit 41 Herbergers rechte Hand wurde, aber erst mit 49 die Mannschaft leiten durfte. Am 4. November 1964 debütierte Schön gleich mit einem WM-Qualifikationsspiel in Berlin, dem 1:1 gegen Schweden. Bei seinem größten Triumph, dem WM-Titel 1974, war er bereits 59.

Debüt mit 61: Ribbeck war der Älteste

Nummer neun ist Jupp Derwall, der joviale Rheinländer folgte Schön nach der WM 1978. Auch er saß lange auf der Wartebank, war bei drei WM-Turnieren Assistent. So war Derwall beim stolzen 4:3-Debüterfolg gegen die Tschechoslowakei in Prag bereits 51 Jahre alt. 1980 wurde er Europameister, 1984 trat er mit 57 Jahren ab.

Bliebe noch die Nummer zehn, Erich Ribbeck, der im September 1998 als Nachfolger für den zurückgetretenen Berti Vogts einsprang. Drei Monate zuvor war Ribbeck bereits 61 geworden. Er fing später an, als sechs Vorgänger aufhörten. Seine Zeit stand unter keinem guten Stern, nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2000 ging er in den Vorruhestand.

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